Mit dem Beginn der Battles verlor «Voice of Germany» etwas bei den Einschaltquoten, nicht aber bei der Spannung. Nicht zum ersten Mal mussten tolle Sänger(innen) gehen. Doch letzte Woche gab es ein regelrechtes Favoritensterben.

Nachdem Dr. Ton alias Xavier Naidoo seit Beginn der Castingshow Rüdiger Skoczowsky als die beste Stimme des Universum bezeichnet hatte, war dieser natürlich favorisiert. Und das zu recht: Eine glockenklare Stimme wie die seine gibt es nicht allzu häufig. In der Liveshow hatte er die undankbare Aufgabe, den Sangesreigen zu eröffnen. Das bedeutet, wenn viele dann endlich abstimmen, ist sein Gesangsvortrag schon fast zwei Stunden alt. Ausserdem dachte vielleicht der eine oder andere Zuschauer, dass Naidoo seinen Rüdiger bestimmt weiter mitnimmt. Doch weit gefehlt: Erst versagte das Publikum Rüdiger die Gunst, dann auch noch dessen Mentor und Coach Naidoo. Das Publikum nahm Rino Galiano und Max Giesinger mit in die nächste Runde. Naidoo entschied sich für die angehende Lehrerin Katja Friedenberg und Mic Donet. Für diese Entscheidung wurde Naidoo, wie er am Freitag sagte «gewulfft». Diese interessante Wortschöpfung war der Spruch des Abends. Zur Begründung meinte Dr. Ton, dass Rüdiger nicht besser als die beiden anderen performt hatte, drum hätte er sich gegen Rüdiger entschieden. Eine sehr interessante Begründung. Auch der Fussballer Dominic Sanz musste trotz seines starken Vortrags gehen. Max und Katja dürfen bleiben. Und das auf jeden Fall zurecht.

In der Gruppe The BossHoss favorisierte das Publikum Ivy Quainoo, die nun auch zu den haushohen Favoriten zählen dürfte, und für Ramona Nerra. Die beiden Coaches Alec Völkel und Sascha Vollmer konnten sich fast nicht entscheiden und zögerten ihr Urteil immer weiter hinaus. Letztendlich durften sich der Hamburger Ole „Soul“ Feddersen und Bennie McMillan freuen. Sahar Haluzy und C. Jay mussten gehen. Von denen zumindest der Letzgenannte auch einen sehr starken Auftritt auf die Bühne brachte.

Am Freitag flossen dann viele Tränen, z.B. die von Lena Sicks, die von ihrem väterlichen Coach Rea Garvey zuletzt im Regen stehen gelassen wurde, obwohl sie „Elektrisches Gefühl“ von Juli fehlerfrei sang und stark vortrug. Ihre Version gefiel mir wesentlich besser als das Original. Die Zeile „heute wird ein guter Tag“ traf für Lena dann doch nicht zu: Das Publikum votierte für den Paradiesvogel Percival Duke, der einen mitreissenden Auftritt hinlegte, und hierfür vom Saalpublikum mit minutenlangem Applaus gefeiert wurde, und für Michael Schulte. Garvey nahm Benny Fiedler und Jasmin Graf mit. Ich hätte mich an seiner Stelle für Lena Sicks und gegen Benny entschieden. Da erstere ganz klar den besseren Auftritt in der Live-Show hatte.

Noch ganz kurz zum Team Nena: Das Publikum favorisierte Yasmina Hunzinger und Behnam Moghaddam. Yasmina brachte eine ganz starke Leistung. Behnams Version von «The Sound of Silence» roch stark nach am Lagerfeuer verbrannten Holzgitarren. Egal, dem Publikum gefiel’s anscheinend. Und Nena kickte die in jeder Beziehung starke Nina Kutschera aus dem Rennen, und auch Lisa Martine Weller musste trotz ihrer rundherum überzeugenden Interpretation von Rio Reisers «Junimond» gehen. Beide Kandidatinnen waren wesentlich stärker als Sharron Levy, die jedoch dank persönlicher Sympathie Nenas weiterkam. Fast hatte ich den Eindruck, dass Sharron auf Nena so wirkt, wie Nena gerne auf andere wirken würde sich selber sieht, fast, als ob sie sich selber zu sehen würde. Das könnte auch Nenas Entscheidung erklären. Kim Sanders Auftritt war okay. Nicht mehr, nicht weniger.

Quotenmässig nahm „Voice of Germany“ leicht ab, von der Qualität aber auf keinen Fall. Am Freitag geht’s weiter: Hier spielt die Musik.

Zum Abschied nochmal Lena Sicks:
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