So gut die Suche nach dem Star für Oslo verlief, so spannend diese war, so gesegnet mit grossen Talenten, so stark die Quoten, so schwach stellt sich das diesjährige Schaulaufen Preissingen dar.

Eine Kurzkritik zu „Unser Star für Baku“, das sich ProSieben und DasErste teilen:
Die Jury:
Frisurentechnisch ist die gesamte Jury sparsam: Auf den Köpfen der Juroren ist wenig los. Eine Frisur muss für drei reichen. Die Kommentare verlieren sich leider oft in Beliebigkeit, wo ein Xavier Naidoo bei „The Voice of Germany“ handfeste Kritik zu bieten hat, bewegen sich die USFB-Juroren oft im gefühligen Ungefähren.

Stefan Raab konnte es nicht lassen und musste sich wieder in die Jury setzen. Sachdienliche Angaben von seiner Seite haben Seltenheitswert, hilfreiche Kritik ist Mangelware.
Der offizielle Jurypräsident Thomas D steht deshalb nicht nur unter (Erfolgs-)Druck, sondern quasi noch unter Beobachtung seines Vorgängers. Thomas D hat unverkennbar eine esoterische Ader, und seine verschwurbelten Eso-Kommentare scheint er bei Nena zu stibitzen: „Ich kann dich da spüren“. Ja, ne, is‘ klar.
Alina sieht sehr gut aus, gibt auch gern emotionale Statements von sich, sie macht alles in allem keinen schlechten noch den besten Eindruck. Auf jeden Fall hat sie eine erstklassige Haltung.

Die Kandidaten:
Singen können sie alle, nur nicht überragend. Gab es vor zwei Jahren noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen grosser Talente wie Kerstin „Blondie“ Freking, Christian „Dursti“ Durstewitz, Jennifer „Jenni“ Braun und Leni Lena Meyer-Landrut, so wirken die diesjährigen Kandidaten dagegen lediglich „okay und nett“, aber „okay“ reicht halt nicht. Leider. Gerade im direkten Vergleich mit „Voice of Germany“ wird das ganze Elend sichtbar hörbar.

Die Favoriten: Roman Lob, Yana Gercke und Shelly Phillips.

Das Blitzvoting:
Dass die Zuschauer nun die ganze Sendung anrufen können, sorgt nur teilweise für Spannung, dafür für vollere Kassen beim Sender. Die Idee mit den Sympathiepunkten ist ja charmant, nur sollte man es dabei belassen, und danach das Voting wieder anonym ablaufen lassen. In den ersten zwei Shows verteilte sich die Zuschauergunst auf sechs Kandidaten, wer zuletzt weiterkommt, ist jedoch nur vom Zufall abhängig, also von dem Augenblick, in dem das Voting stoppt: In der zweiten Shows belegte die Schwäbin Vera Platz 1 nach Sympathie und Platz 1 ihrem Singen. Nachdem Raab und D danach heftig für die Sechsplatzierte Rachel warben, verschob sich die gesamte Tabelle wieder und Vera fand sich auf dem undankbaren sechsten Platz wieder. Aus der Traum von der Reise nach Baku. Trotz ihres breiten Schwäbischs punktete sie mit unnervigem Englisch und dem besten Gesang der Sendung.

In der vergangenen Sendung wurde das Blitzvoting angepasst: Im Ein-Minuten-Takt werden die Plätze eingefroren. Nichtsdestotrotz ist es ein Glücksspiel wer bleibt, und wer sich verabschieden muss.

Die Moderatoren Sandra Riess und Stefan Gätjen bewegen sich auf dem Niveau von Homeshopping Fernsehen. Die „Gewinnspiele“ bei 9Live waren teilweise genau so interessant. Die gesamte Sendung schindet Zeit und zieht sich in die Länge. Fast zwanzig Minuten dauerte es vergangene Woche bevor der erste Song zu hören war.

Die Band: Die Heavytones haben sich seit vielen Jahren bei TV Total, Wok-WM, Turmspringen, Schlag den Raab, Unser Star für Oslo etc. eingegroovt. Das hört man. Jetzt klingt jedes Lied nach „Heavytones“, und wenn die Gitarre, das Keyboard oder das Saxophon den Gesang der Kandidaten überlagert, stört das auch niemand, zumindest niemanden in der Band oder am Mischpult. Um mich klar auszudrücken: Die Heavytones sind so gut und so routiniert, dass sie jeden Song zum „Heavytones-Song“ machen. Schade.

Fazit: Das Niveau von „Unser Star für Baku“ verhält sich zu „Unser Star für Oslo“, wie die Quote von „USFB“ zu „The Voice of Germany“: deutlich niedriger.