Die gute Nachricht: Das Schweizer Fernsehen hat heute die Katze(n) aus dem Sack gelassen, welche Coaches bei «The Voice of Switzerland» amten werden.

Voice of Switzerland Logo (Man kann sich anmelden)

Die schlechte Nachricht: Die Namen sind wenig überraschend, ja, wurden (von mir) gerade zu schon befürchtet. Eines möchte ich klarstellen, alle Juroren/Coaches haben ihre Qualitäten, und ich habe grossen Respekt vor dem, was sie schon geleistet haben, allein mir fehlt der Glaube, dass das für eine grandiose Casting-Kiste wie «The Voice» ausreichen wird.

Bei «The Voice UK» waren Jessie J, Tom Jones (Sir Tom Jones alias der Tiger), Will.I.Am (Black Eyed Peas) und der irische Sänger/Songwriter Danny O’Donoghue  am Drücker.

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«The Voice of Germany» konnte mit Xavier Naidoo, Nena, Rea Garvey und Alec und Sascha von «The BossHoss» begeistern.

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In Frankreich rockten «The Voice – le plus belle voix» „Louis Bertignac, Mitbegründer der französischen Kultband Téléphone und musikalischer Gefährte von Carla Bruni, Florent Pagny, ein Urgestein der frankophonen Musikszene, Jenifer, ein junges Popsternchen, und dem bekannten, kanadischen Sänger Garou, der zusammen mit Céline Dion den grossen Schweizer Hit «Sous Le Vent» sang.“ (Quelle: Ringier)

Die Juroren und späteren Coaches sind Philipp Fankhauser, Stefanie Heinzmann, Stress und Marc Sway (in alphatbetischer Reihenfolge). Ein Blueser, eine Pop-Sängerin mit toller Stimme, ein Rapper mit Hang zum Boulevard und ein Soulsänger. Musikalisch ist das sehr ausgewogen, für jeden Geschmack etwas dabei, doch für meinen Geschmack schon ZU ausgewogen. Ich bin fast versucht, „beliebig“ zu schreiben, wenn das nicht so negativ klingen würde. Alle bekannt und beliebt in der Schweiz.

Doch wo sind hier Schwergewichte wie Boris Blank oder Dieter Meier von «Yello»? Wo steckt ein Roman Camenzind, der mit Baschi schon bewies, was in der Schweiz möglich ist? Warum kein Stephan Eicher, der seit den 80ern musikalisch nicht nur Akzente setzt, sondern immer wieder über den eigenen Tellerrand blickte, ohne nur auf den Erfolg zu schielen? Konnte man Andreas Vollenweider nicht fürs Projekt begeistern? «Celtic Frost» räumen zurzeit international ab und hätten vielleicht auch ein paar Rockfans für die Show begeistern können. So wie Boss Hoss auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Wahl war, aber in der Jury zeigten, was sie drauf haben. Auch der wortgewaltige Büne Huber wäre ein Kandidat gewesen, der etwas zu sagen hat und mit «Patent Ochsner» auch in Deutschland grossen Erfolg hatte, Kuno Lauener von «Züri West» hätte bestimmt auch kein Blatt vor den Mund genommen. Carlos Leal hatte mit «Sens Unik» Erfolg,  … die Reihe liesse sich fortsetzen.

In Deutschland schlug die Show letztes Jahr wie eine Bombe ein und war ein starker Erfolg mit einer starken Quote und einer starken Siegerin, die nicht nach drei Monaten in der Versenkung verschwindet: Ivy Quainoo vom Team BossHoss. Die spannende Show begeisterte und inspirierte uns zu zahlreichen Blogeinträgen. Das lag zum einen an den tollen Talenten, und zum anderen an der Jury, die sich nicht mit den immergleichen Kommentaren und Plattitüden wie ein Stefan Raab und ein Thomas H bei Unser Star für Baku von Sendung zu Sendung retteten, sondern ihren Wettkampf untereinander auch verbal auslebten und für jede Menge witzige Momente sorgten:

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Der Respekt war echt, den die Kandidaten, die vielleicht sogar schon hauptberuflich im Musikbusiness arbeiteten, den Juroren entgegenbrachten. Die Tipps, die die erfahrenen Musikprofis ihren Schützlingen geben konnten, unbezahlbar. Klar, Stefanie Heinzmann kann sagen, wie es sich anfühlt, von jetzt auf nachher im Rampenlicht zu stehen und von Interview zu Interview weitergereicht zu werden, aber hat sie tatsächlich schon genug Erfahrung, um von jemandem respektiert zu werden, der vielleicht doppelt so alt ist wie sie selbst? Marc Sway ist ein Netter, der in Interviews nichts Falsches sagt, und allen ein guter Kollege ist. Aber ein Coach muss auch mal streng sein und natürliche Autorität besitzen, kann er das? Stress kennt man auf der ganzen Welt, aber nicht unbedingt den Schweizer Rapper, der sich (fast) jedes Jahr einen Swiss Music Award abholt, ausschliesslich aber Schweizer Charterfolge vorweisen kann. Wir werden in der Jury erleben, wie er wirklich ist, ob er seine Kritik auch in Worte fassen kann. Philipp Fankhauser ist ein alter Hase im Musikgeschäft und fast schon das Feigenblatt der Jury: Er hat jahrzehntelange Erfarung gesammelt, mit vielen Grössen gearbeitet, auch international, aber internationale Charterfolge sind bei ihm Mangelware. (Anm.: „internationale“ eingefügt am 5.6.12, dank an Rene)

Die Schweiz wird uns bestimmt wieder mit tollen musikalischen Talenten überraschen, da bin ich sicher, doch ich hoffe, dass das auch für die Jury/Coaches gilt, die hier die Chance haben, neue – und damit meine ich vor allem überraschende – Facetten zu zeigen. Ich wünsche es uns allen.

 

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